Es ist seit langem üblich, daß sich die Frauen von Politikern sozial engagieren. Das ist kein "alter Zopf", der abgeschnitten gehört, sondern eine gute Tradition, die auch ich gerne pflegen möchte. Wenn wir mit unserem Einsatz und mit unserem Namen Menschen helfen, die sich in Notlagen und bei Krankheiten um andere kümmern, dann macht Popularität wirklich Sinn! Wir ermuntern hoffentlich noch mal Bürger, sich in Gruppen oder auch "nur" beim kranken Nachbarnnebenan zu engagieren.
Wie mein Mann habe ich es gern konkret. Auch Hilfe muß konkret sein. Ich habe mich sehr gefreut, als Herr Müller-Brühl, Leiter des Kölner Kammerorchesters, das übrigens in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feierte, mir anbot, für Sie ein Benefiz-Konzert auf die Beine zu stellen, das sicher in uns nachklingen wird und dem Verein finanzielle Möglichkeiten eröffnet. Dieses Geschenk habe ich Ihnen allen anstelle von Blumen mitgebracht!
Als Tochter eines Mediziners und während des Krieges geboren, habe ich schon früh gelernt, daß "Krankheit" und "Helfen" ganz eng zusammen gehören. Deshalb will ich die gute Tradition, von der ich gerade gesprochen habe, gern fortsetzen.
Lupus Erythematodes ist eine Krankheit, die wenig bekannt ist. Lupus Erythematodes befällt vor allem junge Frauen. Schmetterlingskrankheit lautet der deutsche Name,. Er klingt harmlos, ja niedlich. Kaum jemand ahnt, wie gefährlich LE - vor allem in der systemischen Form - ist. Auch mir ist das erst richtig bewußt geworden, als ich vor zwei Jahren, von Herrn Prof. Schneider auf eine Schirmherrschaft angesprochen, Ihre LE-Selbsthilfegemeinschaft, damals noch unter dem Vorsitz der Gründerin, Frau Karin Hilmer, näher kennengelernt habe.
Das 10-jährige Jubiläum, das ich in Dortmund miterlebte, das Miteinander von allen Anwesenden vermittelten eine wirkliche Gemeinschaft in freundschaftlicher Atmosphäre. Doch ich erfuhr auch, wie schwer die Krankheit zu erkennen ist, wie oft zunächst eine falsche Diagnose gestellt wird.
Ich habe fünf Töchter im Alter zwischen 19 - gestern hätte ich noch 18 bei unserer jüngsten, noch im Hause lebenden Tochter sagen müssen, denn heute ist ihr Geburtstag - und 30 Jahren. Sie werden mir glauben, daß wir in unserer Großfamilie allerhand Erfahrungen mit Krankheiten gesammelt haben, doch das, was ich damals gehört habe, ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Ich weiß heute: Eines der großen Probleme bei Lupus Erythematodes ist seine frühzeitige Erkennung. Er hat Symptome, die nur schwer zuzuordnen sind. Deshalb wird er auch "medizinisches Chamäleon" genannt - schon wieder ein so harmlos klingendes Wort, das die Gefährlichkeit der Krankheit verbirgt. Rheumatische Beschwerden sind oft das erste Anzeichen, selten werden sie sofort richtig gedeutet. Wer will einem Arzt vorwerfen, daß er auf falsche Spuren gerät und den Patienten falsch behandelt? Dabei ist gerade die Früherkennung so wichtig. Sie kann helfen, den Befall innerer Organe rechtzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern.
Zum Glück haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren entscheidend verbessert und damit auch die Chancen für Lupus-Patienten, ein relativ normales Leben führen zu können.
Ich spreche bewußt von Chancen. Die gilt es zu ergreifen. Ohne Hilfe hat die Chance keine Chance.
Hier gibt es die Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e.V., nunmehr mit ihrer 1. Vorsitzenden Borgi Winkler-Rohlfing, und ihre 67 Regionalgruppen. Hier, vor Ort, können Patienten und Angehörige Rat, Tat und wenn nötig auch Trost finden.
Ich habe mich gefreut, als ich erfuhr, wie viele Regionalgruppen ihre Gemeinschaft inzwischen hat. "Man lindert oft sein Leid, indem man es erzählt" hat der französische Dichter Pierre Corneille einmal geschrieben. Die Selbsthilfegruppen sind dafür ein gutes Beispiel. Die Betroffenen verstehen einander ohne lange Erklärungen. Sie können ihre Erfahrungen mit vorbeugenden Maßnahmen, Medikamenten und Behandlungsmethoden austauschen und sich so gegenseitig helfen.
Es ist gut zu wissen, daß es Ärzte und Ärztinnen gibt, die sich in der Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft engagieren. Ihr Rat und ihre Erfahrungen zählen dort doppelt. Sie stellen mit Vorträgen und Veröffentlichungen den Erkrankten und den ärztlichen Kollegen und Kolleginnen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Verfügung. Dafür sind wir alle ihnen sehr dankbar.
Ich weiß jetzt einiges über ihre Gemeinschaft, Sie aber wissen bisher nur wenig von mir und meinem Lebensweg. Daß ich die Tochter eines Arztes bin und fünf Töchter habe, habe ich schon gesagt. Daß wir eine kleine Enkelin haben, auf die mein Mann und ich sehr stolz sind, will ich Ihnen auch nicht verschweigen. Mit 10 Monaten soll sie, als Amerikanerin geboren, schon "hi" und "hey" sagen, wie mir unsere Tochter ebenfalls voller Stolz heute morgen aus den USA telefonierte.
Ich stamme aus Westpreußen und habe nach der Flucht das erste Schuljahr in Bayern absolviert. Die weitere Schulzeit bis zum Abschluß der "Höheren Handelsschule" habe ich in Bochum verbracht und fühle mich, heute im Rheinland wohnend, nach wie vor als Kind des Ruhrgebiets.
In Bochum habe ich auch meinen Mann kennengelernt, der damals Jura studierte, und wir haben 1966 geheiratet. Keiner von uns beiden hätte damals geglaubt, daß ich heute als Frau des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten vor Ihnen stehe. Das hätten wir uns nicht träumen lassen.
Um Familie und Kinder habe ich mich gern und intensiv gekümmert, mich mehr als Familienmanagerin gefühlt, denn als Hausfrau. Nachdem meine Töchter nach und nach flügge geworden sind, habe ich mich in verschiedenen Organisationen engagiert:
Ich bin im Beirat der Stiftung des Kinderschutzbundes Bonn und Kuratoriumsmitglied und der Stiftung RTL - Wir helfen Kindern e.V. Außerdem bin ich stellvertretende Vorsitzende im Förderverein des Hauses der Sprache und Literatur in Bonn.
Vor allem aber bin ich jetzt gern Schirmherrin Ihres Gemeinschaft geworden.
Ich hoffe, daß ich in Ihrem Sinne viele Menschen erreiche, Gesunde wie Kranke, um Ihr Anliegen so zu unterstützen, wie Sie es wünschen und verdienen.
In meinem Arbeitszimmer hängt schon lange ein Segensspruch aus Irland, den ich Ihnen gern hierlassen möchte:
Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen,
mögest du den Wind im Rücken haben,
mögen die Regentropfen sanft auf deine Felder fallen,
und bis wir uns wiedersehen
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.