Schriftgröße:
Eine Krankheit macht auf sich aufmerksam
Neu-Ulmer Zeitung vom 10.05.2004
Lupus begeht am Montag ersten Welttag - Selbsthilfegruppe in der Region
Die Angst, von einer nicht heilbaren Krankheit heimgesucht zu werden, wurde für Irene Sipitzki aus Bellenberg und Brigitte Skoruppa, Vöhringen, bittere Realität. Ihre Diagnose: Die Autoimmun-Krankheit Lupus, die in der Bevölkerung wenig bekannt und bisher wenig erforscht ist. Aus diesem Grund findet am Montag, 10. Mai, der erste Welt-Lupus-Tag statt.
Auf den ersten Blick wirken die beiden Frauen kerngesund: Keine auffälligen Gebrechen, keine Leidensmiene, vielleicht ein bisschen blass um die Nase. Ein Trugschluss. Beide sind an Lupus erkrankt. Durch zahlreiche Medikamente lässt sich die Krankheit kontrollieren. Viel dürfen sie sich aber nicht zumuten. "Wenn ich beispielsweise zuviel im Haushalt mache, dann weiß ich inzwischen, dass ich automatisch am nächsten Tag wieder flach liegen werde", sagt Brigitte Skoruppa, 38 Jahre.
Hausputz übernimmt Ehemann
Einkaufen, kochen, spazieren gehen und kleinere Handgriffe im Haushalt erledigen sind der Alltag der beiden Mütter. "Den Hausputz erledigt mein Ehemann. Ich bin sehr froh, dass unsere Beziehung durch meine Krankheit nicht getrübt wurde und meine ganze Familie hinter mir steht", sagt Skoruppa Auch die 40-jährige Irene Sipitzki kann auf ihre Familie zählen: "Den Rückhalt finde ich in meiner Familie und meinem Freundeskreis. Jeder weiß Bescheid, unterstützt mich und hat Verständnis, wenn ich mal wieder nicht an einem Fest, Geburtstag oder Grillabend teilnehmen kann", sagt sie.
Seit ein paar Jahren leben sie schon mit der Krankheit, wobei es bei Brigitte Skoruppa dauerte, bis die Krankheit diagnostiziert wurde. Bereits in jungen Jahren litt sie unter rheumatischen Beschwerden. Im Nachhinein wird vermutet, dass die Autoimmun-Erkrankung bei ihr 1998 ausbrach. "Ich hatte Fieber, dass immer schlimmer wurde und krampfartige Muskelschmerzen", sagt sie. Nach dem Besuch mehrerer Ärzte erhielt sie erst 2001 die Diagnose: Lupus. Irene Sipitzki geriet dagegen relativ schnell in die Hände eines Fachkundigen: Eine Grippe verheilte nicht, dann meinte sie sich einen Nerv eingeklemmt zu haben. Ihr Hausarzt überwies sie zu Dr. Peter Bischof, Chefarzt der Inneren Medizin und Rheumatologie der Fachklinik Ichenhausen (siehe Nachgefragt).
Bereits seit 1972 beschäftigt er sich mit Lupus und konnte der Bellenbergerin nach einem Bluttest sehr schnell die richtigen Medikamente verschreiben.
Ursache unklar
Rund 40000 Menschen sind in Deutschland davon betroffen. "Die Dunkelziffer ist gewiss höher", vermutet Brigitte Skoruppa, "denn viele wissen möglicherweise noch gar nichts von ihrer Erkrankung und denken sie hätten ein chronisches Leiden." Die medizinische Forschung ist zwar in den letzten 50 Jahren entschieden vorangekommen doch vieles ist aber noch völlig unklar.
So ist die genaue Krankheitsursache bisher nicht bekannt. Es wird vermutet. dass eine Kombination von defekten Genen und Umweltfaktoren die Aktivität von Lupus hervorrufen kann.
"Die Forschung zahlt sich wohl nicht aus. Um mit Medikamenten Geld zu verdienen, benötigt die Pharmaindustrie auch mehr Patienten", sagt sie.
Treffen machen Mut
Die Vöhringerin übernahm kürzlich die Leitung der Lupus-Selbsthilfegruppe Neu-Ulm/Ichenhausen. Beide empfinden den Austausch unter Lupus-Kranken als sehr hilfreich. "In der Gruppe gibt es eine Frau, die bereits seit 20 Jahren mit dieser Krankheit lebt. Das gibt mir jedes Mal aufs neue Mut", so Sipitzki. Die Atmosphäre sei dort recht ausgelassen und heiter auch wen natürlich über Lupus gesprochen wird.
"Wir erzählen uns von neuen Therapien und Medikamenten, aber auch von Erlebnissen, die überhaupt nichts mit Lupus zu tun haben", berichtet Brigitte Skoruppa.
Den Humor haben beide jedenfalls nicht verloren. So erzählt Irene Sipitzki, dass die Gruppe einmal jährlich einen Ausflug unternimmt. "Lupus-Kranke sollen die Sonne meiden, da sonst das Immunssystem noch mehr angeregt wird. Deswegen fahren wir ins Planetarium nach Laupheim", sagt sie und freut sich schon jetzt auf die Fahrt Ende Mai.
Wer sich über die Selbsthilfegruppe informieren will, der kann die Leiterin Brigitte Skoruppa unter Telefon, 07306/2103 anrufen.